Elvis wirkte so souverän und abgeklärt.
Er war sich seiner Sache absolut sicher.
Majestätisch schritt der King im dunkelblauen Aztec-Suit die Bühne ab, bis
hinüber zu Charlie, der ihm die Gitarre überreichte.
Elvis begann diese Closing
Show mit „That´s All Right Mama“, dem Titel, mit dem auch seine Karriere
begonnen hatte. Es war der Auftakt zu einer grandiosen Show. Mitten in dieser
furiosen Fassung rief er James Burton zu, er solle ein Solo spielen, und als das
Lied dem Ende zu ging, animierte er die Band zu einer weiteren Verlängerung des
Songs. Was für ein Auftakt. Nachdem der brausende Applaus für den Eröffnungssong
etwas abgeebbt war, konzentrierte sich Elvis. Er zog das Mikro zu sich, hielt es
einen Augenblick regungslos fest und brummte dann ein tiefes „Well, well..“
hinein.
Das Geschrei der Fans, das
daraufhin entbrannte, war unvorstellbar. Elvis sprach kurz mit den Fans, aber
keiner hörte zu. Der Lärm war gigantisch. Elvis brachte das völlig aus der Spur
und er fing an zu singen, ohne dass J.D. Sumner mindestens ein tiefes „Well“
mitgesungen hatte. Also unterbrach Elvis „I Got A Woman“ kurzerhand. Er begann
wieder kurz mit „Well, well..“ und J.D. hängte ein tiefes Bass-„Well“ dran. Das
war das Intro wie Elvis es gewohnt war. Jetzt konnte er in Ruhe loslegen.
Das
folgende „I Got A Woman“ war ein Genuss. Er schien dieses Lied und die
Showeffekte darin auch nach all den Jahren noch gemocht zu haben. Das „Well“ am
Anfang, J.D. Sumners Bass-Einlagen und nicht zuletzt der Übergang zu „Amen“. All
das war etwas, das Elvis offensichtlich nicht missen wollte. Das „Amen“ heute
war übrigens bestimmt eines der längsten Versionen, die er je brachte. Er wollte
gar nicht aufhören. Immer wieder spornte er die Background-Gruppen und das
Publikum dazu an noch lauter mit ihm mitzusingen. Doch plötzlich hielt er mitten
in einem Amen inne und stand völlig regungslos. Zwei..drei Sekunden lang. Die
Fans schreien auf. Ronnie Tutt begann auf sein Schlagzeug einzuhauen. Erst
zaghaft, dann immer wilder. Jeder Schlag auf eine seiner Trommeln wurde mit
einem Beinzucken von Elvis quittiert. Ronnie wurde immer schneller und Elvis´
anfängliches Zucken ging langsam über in die fließend, elastischen
Beckenbewegungen, die ihm einst seinen Namen gaben „Elvis the pelvis“. Das
Geschrei der Fans schien nicht aufhören zu wollen. Aber alles endete, wie es
begann. Ein Schlag durch die Luft deutete Ronnie an, das es genug war und von
einer Sekunde auf die andere stand Elvis wieder regungslos da. „....-meeeeeen“,
setzte er das unterbrochene „Amen“ fort. Er zog das stimmlich so weit runter,
wie er konnte, dann gab er mit einem Zuruf an J.D. Sumner ab, dessen Bassstimme
tiefer ...und immer tiefer ging, bis die Fans vor lauter Kribbeln im Bauch
erneut aufschrien. Als J.D. die Luft ausging, sah Elvis ihn an: “Da war ein sehr
lautes Feedback, während Du sangst. Vielleicht solltest Du das Mikrofon
austauschen...“ Wenige Momente später setzte Elvis erneut ein „..-meeeen“ und
wieder gab er an J.D. ab, der sich beim zweiten Versuch selbst übertraf.
Elvis sah
zufrieden zu J.D. herüber und mit einem überschwenglichen „I got a woman, way
cross town she´s so good to me good good good year“ beendete er das Medley.
Zeit für eine Begrüßung des
Publikums meinen Sie? Mit Nichten. „Vielen Dank Ladies & Gentleman ...Big
Boss Man“! Rief er bestimmend durch die Halle und schon dröhnte das dumpfe und
doch alles vorantreibende Intro des Songs durch die Halle. Er peitschte die
Menge immer weiter auf. Ein lautes „year..can´t you hear me when I call“, zeugte
davon, dass er vollgepumpt war mit Energie. Jedes Tuch, das er in die Menge warf,
ertränkte die nächsten Zeilen des Liedes im Begeisterungssturm der Menge. Was
war bloß los hier in Ashville? Nach dem
Song widmete er sich einem der Hintergrundsäng
er und schenkte diesem spontan
seinen 16.000 $-Ring, und nach einem lockeren „Well“ ging es weiter mit „Love
Me“. Der Song verlief wie gewohnt. Elvis verteilte mehr Tücher, es gab die
gewohnten Gemetzel um die Dinger und Elvis schaute gelangweilt zu, wie sich die
Fans wie Piranjas um diese Relikte zankten. Eine Frau geriet wohl etwas außer
sich in ihren Liebesgebärden, sodass Elvis in Mickey Mouse Stimme „Das ist, nur
ein Song, das ist nur ein Song“ rief. Zum Schluss mussten die Background Sänger
das letzte „Oooh yeeaahr“ wieder so lange halten, bis Elvis ihnen das Zeichen
zum Abschluss gab. Aber das gab er nicht. Statt dessen riss er nur noch einen
Gag über seinen 16.000$ Ring. Doch dann erlöste er die armen Hintergrundsänger
doch. Amüsiert über diese Einlagen auf Kosten der armen Kerle gab es einen
Schluck Wasser und ein lockeres „Take it on“, worauf „If You Love Me Let Me
Know“ folgte. Obwohl Elvis heute gut 80 Minuten auf der Bühne stehen würde, gab
es für ihn keinen Aufschub. Er sang auch diesen Country-Hit strack durch. Nur am
Anfang, als er kurz zu nahe an den vorderen Bühnenrand kam, geriet er durch den
entstandenen Tumult kurz aus der Reihe. Aber der Rest des Liedes passte. Und
wenn er mit opernhafter Stimme sein: „Yeeeaar if you love me let it be if you
don´t set me free..“ sang, da erkannte man, was für ein Stimmvolumen er doch
hatte. „Ich möchte jetzt einige meiner Songs singen, wie ‚Teddy Bear‘ und ‚All
Shook Up‘“. Mit diesen Worten ging er zur Golden Oldies Ecke über. Er brachte
das angekündigte „All Shook Up“ und auch „Love Me“ ging gerade durch. Obwohl er
permanent Tücher verteilte und vor der Bühne bürgerkriegsähnliche Zustände
herrschten, kam er kaum aus der Ruhe und das Lied hörte sich fast an, als wäre
überhaupt nichts passiert. „Teddy Bear-Don´t Be Cruel“ folgte auf dem Fuße. Es
schien, als wolle Elvis die Frage beantworten „Wie viele Songs kann man maximal
in eine 80minütige Show bekommen“. Während „Teddy Bear“ sang er immer
überschwänglich, mit erhobener Stimme und irgendwie abgehackt „Weeeeeelll
pull-your-chain-around-my-neck-and-a-lead-me-anywhere“. Der letzte Ton von
„Don´t Be Cruel“ war noch nicht verklungen, als Elvis, ohne ein Wort zu sagen „Yyyeeaaahhaaiinn´tt
nothing but a houng dog“ ins Mikro röhrte. Es war die alte Leier, mit immer nur
ein und derselben Textzeile. Aber das merkte in diesem Inferno keiner. Die Halle
brodelte und irgendwie hielt es hier keinen mehr im Sitz. Zum zweiten Mal machte
Elvis die Toningenieure zwischen zwei Zeilen übrigens auf die immer wieder
auftauchenden Feedbacks aufmerksam.
Ein Viertel
der Show war jetzt vorbei und endlich gab es die noch ausstehende Begrüßung
des Publikums:“ Guten Abend Ladies & Gentlemen. Willkommen zu unserer Show. Wir
hoffen sie haben eine gute Zeit an diesem
Nachmittag. Sie hören sich so an, als wären Sie in recht guter Stimmung. Wir
werden eine Menge verschiedener Songs bringen...also..wenn sie einen Wunsch
haben...! Haben sie Songwünsche? Memories? Bitte sing ‚Trilogy‘ für Nessy? Wer
ist Nessy? Nessy...wo bist du Honey? Kannst Du kurz aufstehen? Das hörte sich
sehr nach einer vielversprechenden Show an und nach ein paar weiteren Worte an
Nessy begann ohne weitere Ansage „American Trilogy“. Es war eine anfänglich
recht lockere Version. Die ersten Worte der Textzeile „Old times Lord they are
not forgotten..“, rief Elvis beschwörend ins Mikro, um dann die nächste Zeile
gleich wieder zu veralbern:“..year look away, look away Dixieland..Disneyland.
Dixieland oh Entschuldigung“. Auch als die Stamps dann einsetzten und „How I
wish I was in Dixie..“ sangen, sah Elvis sie lächelnd an und ergänzte: „Ich
wünschte auch ich wäre jetzt dort“. Doch damit nicht genug. Elvis zerriss auch
den Rest des Liedes fast völlig. Egal wie dramatisch es gerade war; er quasselte
mit den Fans am Bühnenrand („Honey, ich sehe dich ja“) mit sich selbst und mit
den Trompetenspielern des Joe Guercio Orchesters, die er während ihres Solos
lautstark anfeuerte. An einer Stelle im Lied rief ein Fan ihm etwas zu und er
schier ein gigantischen „Hot damn right“ ins Mikro. Der Fan war zu Tode
erschrocken. Von dem patriotische Feeling, das er sonst immer bei der American
Trilogy aufkommen ließ, war heute praktisch nichts zu spüren.
Dann begann etwas, das Elvis nur in jeder 250. Show machte. Er fragte die
Zuschauer tatsächlich, wie bereits angekündigt, was sie hören wollten und..ging
dann auch tatsächlich auf die Zurufe ein. Der erste erfüllte Lied-Wunsch war
noch nicht so sensationell. Es war „Heartbreak Hotel“. Die Version war recht
gut, nur das Ende verpatzte man irgendwie. Aber bei Elvis gab es keinen Pfusch.
Also stieß er ein tiefes „Ahhh“ aus und gab der Band damit die Gelegenheit das
Lied richtig zu Ende zu bringen.
„O.k. it´s the Jailhouse Rock“.
War der nächste Rocker in diesem Programm.
Aber auch die Version fiel gegen Ende völlig auseinander. Irgendwie war Elvis so
aufgedreht, dass er mit seinen heute recht freien Interpretationen die Band
völlig aus der Bahn warf und das vollkommen außer sich geratene Publikum machte
es ihm nicht unbedingt leichter hier eine anständige Show zu machen. Am Anfang
verwechselte er die Textzeilen, geriet ins Stocken und merkte dann bald, dass
der Song nicht mehr zu retten war. Und irgendwann ging es nur noch darum das
Ding mehr recht als schlecht zu Ende zu bringen. „Wir bringen das jetzt schon
seit so vielen Jahren..“, entschuldigte er sich beim Publikum und ergänzte
cool:“ ,Something‘ “! Sagte
Elvis da wirklich „Something“? Tatsächlich; zaghaft sang er die ersten Worte
davon und die Band setzte glücklicherweise sofort ein. Es dürfte diese die
einzige „Something“ Tour-Version des Jahres 1975 sein, die mir derzeit einfällt.
Dafür, dass es eine spontane Änderung des normalen Programmes war, klappte es
recht gut. Einmal kam er im Refrain kurz aus dem Text, da die Hintergrund-Sänger
ihn nicht unterstützten. Aber ein Zuruf von ihm weckte die Damen und Herren auf
und es wurde doch eine recht gut gelungene Live-Rarität.
Nach Beendigung des Liedes riefen
die Fans Elvis wieder haufenweise Liedtitel zu, die sie gerne gehört hätten.
„Was war das?
Return To Sender? Oh mein Gott....I...Gebt mir..I wrote, I wrote..I wrote.
Ich muss da erst mal die
Tonlage finden. Eine niedrige Tonlage bitte.“ Irgendwie hörte es sich an als ob
er mit der Zeile „I wrote a letter to the mailbox“ („Ich schrieb einen Brief an
den Briefkasten“) anfing, aber er mogelte sich ganz gut durch. Die zweite
Strophe lehnte er an die erste an, er improvisierte ein wenig Text dazu und
irgendwie hatte er plötzlich eine zusammengeflickte Fassung des Liedes durch. Er
hatte Spaß dabei, das Publikum hatte Spaß dabei. Das war die Hauptsache. Er
lachte über das ganze Gesicht, als er mit diesem chaotischen Lied fertig war.
Jetzt war alles egal. Jetzt konnte er auch dem nächsten Fanwunsch entsprechen; „Wooden
Heart“! Auch hier mogelte er sich eher durch, obwohl es erstaunlich war, wie gut
er den deutschen Text stellenweise noch drauf hatte. Gut, zum Schluss gab es
dann Zeilen wie „Sei mir gut, sei mir gut, zum Städtele hinaus cause I Don ´t
have a wooden heart“, aber dieses Lied zu bringen hatte ohnehin nur
nostalgischen Wert für Elvis und die Zuschauer. Und gab es nicht vieles in so
einer Elvis Show nur noch der Nostalgie zuliebe? Jedenfalls hatte sich Elvis 15
Jahre lang zumindest die Abfolge bestimmter deutscher Worte gemerkt. Ist das
nichts?
Es ging weiter mit dem
Wunsch-Konzert. Doch jetzt schien Elvis die Vorschläge zu machen, um nicht noch
mehr Peinlichkeiten aufkommen zu lassen. „Suspicious Minds“ war da im Gespräch.
Aber letztendlich einigte man sich dann doch lieber auf den „Hawaiian Wedding
Song“. Eine schöne Fassung, an deren Ende natürlich besonders Kathy
Westmorelands Stimme zur Geltung kam. Elvis genoss den Wechselgesang am Ende des
„Hawaiian Wedding Songs“ und so wollte er den heute gleich zweimal bringen. Er
stellte sich vor Kathy, nahm ihre Hand und sang erneut: „I do..love you..with
aaalll..myyyy..“. Er sang die letzten zwei Worte wie ein Opernsänger, was ein
Mädchen am Bühnenrand in ein hysterisches Geschrei verfallen ließ, das durch das
ganze Auditorium hallte und die ganze Fangemeinde zum Lachen brachte. Elvis sang
das fehlende„..heart“ nicht mehr. Der Effekt war ohnehin weg. Also ging es
weiter mit „Bridge Over Troubled Water“. Irgendwie schien sich Elvis jetzt
wieder auf den normalen Showablauf besonnen zu haben. „Bridge“ war stark.
Mehrfach durchströmten die Begeisterungsschreie der Fans die Halle schon während
des Songs. Seine Stimme war großartig. Nichts schien diesen Man erschüttern zu
können. Wenn einer zu viel Energie hat, was macht er dann? Richtig, er singt
„Polk Salad Annie“! Und das tat auch Elvis heute. Cool, abgeklärt und souverän
brachte er das mittlerweile. Das Lied war im Laufe der Jahre immer aggressiver
geworden. Die Instrumentierung, Elvis´ Bewegungen.
„Danke Ladies & Gentleman. Vielen
Dank. Ich möchte ihnen jetzt die Mitglieder unserer Gruppe hier vorstellen,
bevor wir weitermachen. Die Damen, die heute die Show hier eröffnet haben..wir
sind jetzt seit fünf Jahren zusammen und ich denke sie sind wirklich
fantastisch. Die „Sweet Inspirations“. Eines der besten
Gospel-Quartetts des Landes...J.D.Sumner und das Stamps Quartett...den Bariton
singt Ed Hill aus Nashville. Und der blonde Junge hier mit dem wilden Blick, das
ist..Ed Enoch. Er singt How Great Thou Art besser als jeder andere. Fast
jedenfalls. Am High Tenor Ladies & Gentleman ist ah..Bill Baize. Das Mädchen,
das mich mit seiner
hohen
Stimme unterstützt..sie hat eine wunderschöne Stimme..ihr Name ist Kathy
Westmoreland. An der Rhythmus-Gitarre aus Springfield, Missouri ist John
Wilkinson. An der Lead Gitarre ist Jjjaames Burton. Kannst du uns vorführen, wie
du hinter dem Kopf spielst? ‚Johnny B. Goode‘“! James ließ sich das nicht
zweimal sagen. Er verhakte die Gitarre seitenverkehrt hinter seinem Kopf und
spielte Johnny B. Goode. Elvis sang nur im Hintergrund mit. Das Augenmerk sollte
auf James bleiben, denn der hatte es mit dieser Leistung verdient. Elvis
forderte ihn auf, die Version noch etwas zu verlängern. Es schien ihm einfach
viel Spaß zu machen den Menschen zu zeigen, was die Mitglieder seiner Truppe so
drauf hatten. „Danke James. Das ist einfach unerreichbar. Am
Schlagzeug..unten aus Dallas, Texas ist der schwer arbeitende Ronnie Tutt
(Spielt gigantisches Schlagzeugsolo). „Year. Am Fenderbass, von oben aus
Vancouver, Kanada..ist mein Freund Jerry Scheff. Spiel´ den Blues Jerry
(längeres Solo). Danke Jerry. Am Piano, aus Lubbock, Texas..ist Glen Hardin
(spielt längeres Solo, das Elvis mit einigen „All rights“ usw. unterstützt). Der
Kerl, der mir mein Wasser reicht und meine Schals und der auch Harmony mit mir
singt...Charlie und ich waren schon zusammen in der Armee..sein Name ist Charlie
Hodge. Die Jungs, die sie schon im Eröffnungsblock gesehen haben, sie sind aus
Nashville und ich denke, sie haben wunderbare Stimmen und ihr Name trägt dem
Rechnung. Steht mal auf... ‘Voice‘. Unser Dirigent ist aus Las Vegas Mr. Joe
Guercio und das fantastische Joe Guercio Orchester“. Letzteres begann nach der
Erwähnung durch Elvis sofort damit den Chuck Berry Titel „School Days“ zu
spielen, was Elvis wie gewohnt stimmlich begleitete. „Danke Gentlemen. Unsere
neueste Schallplatte heißt ‚T-R-O-U-B-L-E‘“. Elvis warnte heute nicht davor,
dass er sich bei dem schnellen Text oft zu versingen pflegte, sondern legte
gleich los. Und hey, es schien tatsächlich so als ob er die ewigen Textprobleme
aus der Juni Tour endlich hinter sich gebracht hatte. Eine ungewohnt gute
Live-Interpretation gleichzeitig das erste Lied aus seinem neuen „Elvis-Today“
Album. In vielen Konzerten dieser Zeit blieb „T-R-O-U-B-L-E“ das einzige Lied
des neuen Albums, für das Elvis Werbung machte. Aber nicht so heute. Nach
wenigen Augenblicken des Beifalles fuhr er fort:“ Vielen Dank. Wir haben ein
neues Album..das wird herauskommen..und darauf ist ein Song namens ‚Shake A
Hand‘. Dreht das Piano ein bisschen lauter“.
Und dann
geschah das, was kaum ein Fan, der sich nur auf offizielle Aufnahmen verlässt,
je zu hören bekommen wird. Elvis begann nämlich tatsächlich mit „Shake A Hand“.
Er sang dieses Lied in allen drei Ashville Shows...und nur dort! Warum? Keiner
weiß es. Hier hatte Elvis natürlich gleich das nächste Highlight parat. Er
erzählte nämlich, dass sein Vater Vernon nach langer Krankheit endlich wieder
wohlauf und im Publikum war. Der Applaus für Vernon konnte sich hören lassen.
Die Fans schienen wirklich ungeheuren Anteil an Elvis´ privaten Problemen zu
haben. Dass es Vernon wieder besser ging, freut uns ja alle, doch die
eigentliche Sensation folgte am Ende von Vernons Vorstellung: „Ich denke, dass
sein Lieblingssong aus dem neuen Album, das wir rausbringen ‚Piece Of My Life‘
ist. Also versuchen wir dieses Ding“. Und dann folgte die Krönung einer
legendären Show. Elvis sang die bisher einzige existierende Liveversion von „Pieces
Of My Life“. Nach ein paar Zeilen fragte er seinen Vater:“ Das ist doch dein
Lieblingssong, richtig“? Und dann sang er eine perfekte, durchgehende Fassung.
Das Publikum wirkte wie betäubt. Ruhig lauschten sie jedem Wort. Nur als Elvis
die Zeile: „And the one I miss most of all..“ gedankenverloren ins Mikrofon
hauchte, schrien ein paar Mädchen auf. Der Applaus war immens. Drei Songs aus
einer aktuellen LP hintereinander. Das gab es noch nie in einem Elvis Konzert.
Was für eine Show, was für Raritäten.
„Ich möchte gerne einen
Gospel-Song bringen, den wir 1966 gesungen haben. Dabei wird das Stamps Quartett
mitwirken. ‚How Great Thou Art‘“. Was jetzt kam, war zwar kein
unveröffentlichter Live-Titel, aber der superstarke Abschluss einer
außergewöhnlichen Show. Was Elvis hier im Rahmen dieses Super-Gospels leistete,
war unbeschreiblich. Die Halle war in Ekstase. Die Leute gaben stehende
Ovationen und Elvis blickte voller Befriedigung in das Scheinwerferlicht. Er
ließ die Begeisterung ein wenig auf sich wirken und begann dann mit einem
kraftvollen „Yeeeeaaaarrrrr then sings my soul...“ eine weitere Kurzversion, in
der er sich stimmlich noch mal zu neuen Höhen sammelte. Das Publikum lag ihm zu
Füßen. Mein Gott waren das schon 75 Minuten Show? Es traf die Menge wie ein
Schlag, als Elvis mitten in der Begeisterung für den Gospel plötzlich eine gute
Nacht und einen guten Nachhauseweg wünschte. Die wenigen Worte seiner
Verabschiedung gingen bei vielen sicher in der Begeisterung unter. Erst als „Can´t
Help Falling In Love“ erklang, war klar, die Show war zu Ende. Elvis verteilte
Schals, wachte darüber, dass die Leute sich wegen der Dinger nicht zerfleischten
und warf schon mal einbestimmtes „Seid vorsichtig“ in die zankenden Parteien.
Eine große Show war zu Ende.
Elvis würde erst im August wieder auf der Bühne stehen. Und zwar dann in Las
Vegas..