Elvis Live in:
Binghampton, New York
Freitag, der 27. Mai 1977 Broome County Veteran Memorial Coliseum
Veröffentlicht auf
den CDs: Second Night
und Binghamton

Freitag, der 27. Mai 1977
Elvis 1975:
„Wenn ich eine Halle betrete, kann ich
schon sagen, ob ein Publikum gut ist oder nicht. Ich höre
es atmen. Und daran erkenne ich, wie das Publikum sein wird".
Bis zum „200T“-Thema
hatte er noch einige Augenblicke. Und in denen versuchte er zu ergründen,
was für
ein Publikum ihn wohl heute erwarten würde.
Der Saalsprecher bat darum die Plätze
einzunehmen und forderte den Beleuchter auf, die Saallichter zu dimmen. Ein
Raunen ging durch das Publikum und in der entstandenen Dunkelheit erklang das „2001"
Thema. Für
Elvis war der Zeitpunkt des Auftrittes gekommen. Noch einmal zupfte er den Anzug
zurecht und dann ging er hinaus ins gleißende
Scheinwerferlicht! Der „Sundial"-Anzug
glitzerte golden im Licht und im Reverse hatte Elvis einen weißen
Schal aus Kunstseide. Er ging wie gewohnt rüber
zu Charlie Hodge, begrüßte
durch zahlreiche Gesten das Publikum und holte sich dort seine hellbraune
Gitarre ab. Langsam trottete er dann wieder zurück
zur Bühnenmitte,
wo er für
Sekunden regungslos stehen blieb. Es dauerte noch einige Takte des „Opening
Themas", bis er eine
günstige
Stelle zum Einstieg fand. Dann legte er los. Er brauchte nur ein kraftvolles „Oh
see, see see rider..." zu singen und schon erstickte die Menge seinen Gesang für
Sekunden im Lärm
der Begeisterung. Nach dem Lied erklang frenetischer Beifall. Elvis grinste
zufrieden: „Thank
you very much"! Er alberte dann kurz mit dem Bekannten „Well"
herum und versuchte dabei ein ganz tiefes „Well" zu
singen. Aber wieder einmal musste
J.D. Sumner bei den letzten, tiefen „Wells"
aushelfen. Elvis bewunderte J.D. für
diese Leistung mit beeindruckter Mimik und meinte: „Ich
sollte es noch einmal probieren, denn es sah (bei J.D.) recht einfach aus". Aber er wusste,
dass
er J.D.s Leistung nicht erreichen konnte, also ging er sofort zum „l Got A
Woman-Amen"-Medley über.
Das Publikum ging voll mit und klatschte im Takt des schnellen Rhythmus. Während „Amen"
sang er mit mächtiger
Stimme mit und sein „Sing
it with us everybody" klang euphorisch und locker. Immer öfter
spornte er die Fans zum Mitsingen an und mit jeder Strophe rief er: „Noch
einen halben Ton höher"!
Doch nach einigen Strophen stockte er plötzlich.
Für
Sekunden stand er völlig
still. Die schwungvolle Musik des „Amens"
war verstummt. Plötzlich
zuckte Elvis' rechtes Bein unter einem Schlagzeugwirbel von Ronnie Tutt. Ein
Schrei des Publikums war die Reaktion. Das linke Bein zuckte. Wieder ein
Aufschrei der Menge. Noch einmal zuckte das Bein. Dieses Mal warf Elvis dabei
wild den Kopf hin und her, was eine noch stärkere
Reaktion des Publikums auslöste.
Elvis hatte inzwischen seine rechte Hand leicht ausgestreckt und ließ
nun unter Ronnies Trommelwirbel wild seinen Daumen kreisen. „Mein
Daumen spielt verrückt",
kommentierte er nur und schon begann er unter dem Gekreische der Fans und
begleitet von Ronnies Schlagzeug, wie bei einer Strip-Show sein Becken kreisen
zu lassen. Mit lauten Year, begleitete Elvis seine symbolische Hüftshow.
Doch plötzlich,
nach nur wenigen Sekunden, signalisierte er der Band mit einem Schlag durch die
Luft, dass
es genug war. Die Band verstummte, das Publikum stellte das hysterische Geschrei
ein und Elvis stand wieder regungslos. Mit einem: ,,..Help me out J.D." wollte
er das zuvor unterbrochene letzte „Amen"
komplettieren. J.D. begann seine tiefe Bassstimme
vibrieren zu lassen und Elvis sah bewundernd zu. Aber als J.D. seine angebliche
Spitzenleistung beendet hatte, verfinsterte sich Elvis' Blick: „Ahh, sie
können
sich sicher denken, dass
er das noch besser kann. Denn er ist der tiefste Basssänger,
der Weit und da ist, sicher noch mehr drin, hoffe ich. Ah, er erzählt
mir das jedenfalls immer und ich hoffe, er kann es auch. Also hören
sie ihm dieses Mal zu Elvis begann noch einmal einige schnelle „Amens"
zu singen und gab dann J.D. das Zeichen zum zweiten Bassspektakel.
J.D. gab sein bestes und dieses Mal grinste Elvis zufrieden. Wenn der King
zufrieden war, war es das Publikum auch. Also gab es frenetischen Beifall für
J.D. und Elvis beendete mit einer locker gesungenen letzten Zeile von „I Got a
Woman" den Eröffnungsblock
der heutigen Show. Er gab die hellbraune Gitarre an den ganz in weiß gekleideten Charlie zurück,
wechselte ein paar wenige Worte mit einem Fan und kam dann zur Begrüßung: „Ich
war letzten Abend schon hier und heute Abend bin ich wieder zurückgekommen"
(Aufschrei der Menge). Dass Elvis schon am Abend zuvor in Binghampton war, wurde
spätestens
dann offensichtlich, als er wohl ein paar bekannte Gesichter in der ersten Reihe
wieder erkannte. Er erklärte
dem restlichen Publikum, dass
er mit diesen betreffenden Fans erst noch kurz etwas zu erledigen hätte und gab dann einer der bewussten
Frauen, begleitet vom Geschrei der Zigtausend anderen Fans, einen dicken Kuss.
Die Halle tobte wegen des Kusses. Doch als wäre
nichts passiert, kehrte Elvis zum offiziellen Teil der Show zurück: „Aah,
guten Abend Ladies & Gentlemen. Wir hoffen, dass
Sie unsere Show genießen
werden. Wir werden eine Menge ahh Lovesongs bringen und ein bisschen
herumalbern. Und wir werden versuchen hier den ganzen Abend unser Bestes zu
geben. Und später
werde ich auch auf diese Seite der Bühne
dort zurückkommen
(Riesiges Geschrei von der Bühnenrückseite).
Und auf diese Seite werden wir auch zurückkommen
(wildes Geschrei auch von der Seite, in die Elvis gezeigt hatte). Und dort rüber
komme ich auch. Also, genießen
sie es einfach und überlassen
sie ... Charlie das fahren. Sehen sie, er hat hier alles unter Kontrolle". Ein
tief gesungenes „Treat.
me like a foo!.." leitete zu einer typischen Konzert-Version von „Love Me" über.
Ein einfaches „Year
danke" leitete zu „If
You Love Me Let Me Know" über.
Er hatte aufgehört
Schals zu verteilen und wahrte jetzt den Abstand zu den Fans. Er wollte sie
nicht immer weiter aufheizen. Schließlich
ging es bei der Show ja nicht nur ums Schalverteilen. Elvis nutzte den Applaus
nach „If
You Love Me Let Me Know" dazu, einen Schluck Wasser zu trinken. Dann drehte er
sich zu Schlagzeuger Ronnie Tutt und rief ihm 'Mountain' you fool"
zu. Ronnie gar nicht faul, haute das Intro zu „You Gave
Me A Mountain“ aufs Schlagzeug und die Bläser-Sektion
des Orchesters unterstützte
ihn schließlich.
Auch wenn der letzte dramatische Ton so schwach war, dass
er von den Hintergrund-Sängern
fast völlig überdeckt
werden musste,
so war es doch eine sehr schöne
Fassung dieses Liedes. „Letzte
Nacht haben wir an dieser Stelle 'Jailhouse Rock' gebracht. Aber heute wollen
wir lieber 'Blue Suede Shoes' bringen. Ich hoffe,
sie mögen
das auch". Es war eine schnelle Version, die er da heute brachte. Die Fans waren
vom akustischen Effekt her absolut in ihren Erwartungen befriedigt. Nachdem
Elvis „Blue
Suede Shoes" zu Ende gesungen hatte, sagte er plötzlich
zum Publikum: „Entschuldigen
sie mich bitte für
eine Sekunde". Dann drehte er sich zur Band und flüsterte: „Und
ihr Jungs spielt etwas". Dann war er verschwunden. Die Band spielte
kurzerhand einimprovisiertes Instrumental, um die Zeit zu überbrücken,
in der Elvis weg war. Keiner wusste
so genau, warum Elvis die Show unterbrach, um kurz ins Dunkel zu verschwinden.
Nicht mal eine Minute, nachdem die Band ihr Instrumental begonnen hatte, kehrte
Elvis souverän
lächelnd,
ins Scheinwerferlicht zurück.
Er sah zur Band rüber
und meinte nur: „O.k."!
Sofort ging die Show an der Stelle weiter, an der Elvis sie unterbrochen hatte.
Das Piano-lntro zu „Teddy
Bear/Don ‘t Be Cruel" erklang und Sekunden später
hatte Elvis die merkwürdige
Begebenheit durch das Verteilen von unzähligen
Tüchern
in die Ecke der Vergessenheit gedrängt.
Mit einem lang gezogenen „yeah,
yeah yeah yeeeehh" schloss
er das Medley ab. Kaum war der letzte Ton verklungen, da donnerte ein bluesiges „Well
since my baby left me, l've found a new place to dwell..." durch die Halle. Ein
Aufschrei des Publikums begleitete die erste Textzeile und ertränkte
gleich dazu noch die gesamte zweite Textzeile von „Heartbreak
Hotel". Wie alle Oldies dieser Tage, so nahm Elvis auch diesen nicht besonders
ernst. Anfangs sang er mit mächtiger
Stimme, doch mehr und mehr versuchte er gegen Ende mit seiner Mimik die Seriosität
aus dem einst so verrufenen Song zu nehmen.. Und den Abschlussteil
verzerrte er schließlich
zu: „..just
take a walk down Lonely Street to Heartbreak Hotel, you'll be ha dadada lonely
baby. You'li be so lonely you could diehiehiehie", wobei er bei jeder Silbe des
letzten Wortes weiter mit der Stimme runterging. Als er nicht mehr tiefer kam,
tat er so, als würde
er nach hinten umfallen. Das Licht erlosch fast gänzlich
und die Band beendete den Titel mit einem lauten „Da
daaaa".Elvis genoss
den Beifall für „Heartbreak
Hotel" nur wenige Sekunden lang. Schon bald sah er zu Glen Hardin am Klavier rüber
und rief: „Danke,
vielen Dank. Ahn, 'Bridge Over Troubled Water' mein Sohn". Charlie Hodge bekam
die Anweisung das Textblatt zu bringen und wenige Momente später
begann das leise Klavierintro zu „Bridge",
wie Elvis es immer kurz zu nennen pflegte. In die entstandene Ruhe während
des leisen Intros schrien einige Fans ihre Kommentare. Einen griff Elvis auf,
rief dem Fan etwas zu und schon begann er mit einem der Höhepunkte
der Show. Das Textblatt in der rechten Hand und das Mikro in der linken. So
ausgestattet sang er ganz leise und zaghaft die ersten Worte. Er sang
so zaghaft, dass das Publikum ganz ruhig wurde und ihm für
Sekunden völlige
Aufmerksamkeit schenkte, ohne ständig
auszuflippen. Und in diesen Sekunden der Ruhe kam etwas ans Tageslicht, das während
dieser Tour des Öfteren
offensichtlich geworden war, nämlich
die fehlerhafte Tonanlage, die von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten machte und den
Ton nicht ganz sauber rüberbrachte
Also brach er das Lied sofort ab und informierte Bill Porter am Mischpult:
„...and friends just can't be found oh
like a bridge over troubled water nun, wartet mal eine Minute. Wartet mal eine
Minute". Er fuchtelte mit dem Textblatt in Richtung Band, um ihr den Abbruch zu
signalisieren. „Dieses
Mikrofon sollte eigentlich die tiefsten und zartesten Töne
noch aufnehmen können".
Er deutete zum Publikum, während
er weiterhin Bill Porter ansah: „Aber
die können
davon nichts hören.
Ich hätte
gerne mein Mikrofon ausgetauscht o.k."? Applaus des Publikums brandete auf, während
Elvis auf der Bühne
mit gewohnter Coolness dem heraneilenden Toningenieur entgegenlief, um das Mikro
abzuholen das Klavierintro zum zweiten Take von „Bridge"
lief schon, als Elvis entschuldigend sagte: „Haben
Sie Nachsicht mit uns. Irgendwie kriegen wir das schon hin". Charlie Hodge
lachte während
dieser ganzen Aktion ständig
im Hintergrund und zeigte sich über
all das sehr amüsiert.
Lächelnd
ging Elvis mit dem kaputten Mikro zu ihm hinüber,
reichte es ihm hin und sagte cool: „Probier'
du das Ding doch mal aus, du Hurensohn"! Das Publikum wusste,
dass Charlie ihm diese 'Nettigkeiten' nicht übel
nahm. Er und Elvis hatten dem Publikum schon die ganze Show über
klargemacht, dass alles was auf der Bühne
stattfand, purer Spaß
war. Und die ständigen
Sticheleien zwischen Elvis und der Truppe wurden von den Fans auch immer als Spaß
Verstandenen. Trotz aller Härte.
Elvis konzentrierte sich mit einem Blick auf das Textblatt wieder auf 'Bridge'.
Noch einmal schaute er, lächelnd über
seine üble
Ausdrucksweise, zu Charlie und Glen hinüber.
Dann ging es los. Die zweite Fassung schien noch schöner
zu klingen als die erste. Gegen Schluss hatte er sich so in die Melodie
hineingesteigert, dass
er in seiner Begeisterung zwei Strophen durcheinander mischte ("..like a bridge over troubied
water, I will ease your mind Lord Lord lay me down"). Und begleitet von einem
tiefen „wohohoho wohohoho hooo", warf er beide Arme nach oben, schrie die
letzten Töne laut gen Himmel und mit einem Zucken der Arme beendete er einen
spektakulären Programmpunkt in diesem Konzert. Die Fans schienen nach diesem
Song außer sich zu sein. Sie hatten schon einmal, noch während des Liedes,
Elvis' starke Stimme mit spontanem Beifall honoriert. Und jetzt am Ende schien
niemand mehr den Begeisterungssturm aufhalten zu können. Elvis bedankte sich
unzählige Male für den nicht enden wollenden Applaus und erst seine Ansage zum
nächsten Titel ließ das Publikum wieder ruhiger werden: „Im Jahre 1937 ah..im
Jahr 1960 machten wir einen Song namens 'It's Now Or Never'. Und ah ... das
haben wir
übernommen
von dem Lied 'O Sole Mio’. Und ich möchte Sherill bitten, 'O Sole Mio’
zu singen und ich bringe dann dieses...aah 'It's Now Or Never’. Hören
sie sich seine Stimme an Ladies & Gentlemen". Sherill Nielsen machte sich sofort an die
Arbeit und begann mit den markerschütternsten Tönen das Italienische traditional
hinzuschmettern. Elvis meinte dazu nur, dass er ihn gleich einfangen würde, aber
das Publikum klatschte amüsiert Beifall. Und je quirliger Sherill sang, desto
erstaunter schaute Elvis ihn mit großen Augen an. Die Fans lachten sich halb
tot, ais Elvis Einerstauntes 'gottverdammt' knurrte und schließlich so tat, als
würde er es bereuen dem völlig außer Kontrolle geratenen Sherill diesen Part
überlassen zu haben. Dann löste Elvis den Hintergrundsänger endlich ab und
übernahm den englischsprachigen Teil des Liedes. Erneut kam hier wieder der
volle Umfang seiner Stimme zur Geltung, die selbst zur damaligen Zeit schon in
den meisten Zeitungsberichten als hervorstechendste Eigenschaft Elvis Presleys
Erwähnung fand. Sie war einfach unglaublich und es war nur schwer
nachzuvollziehen, dass sich die grelle Stimme, die vor Jahren noch ein schrilles
„Trying To Get To You" sang, in einen so tiefen, vollen Bariton verwandeln
konnte. Am Ende von „It's Now Or Never" experimentierte Elvis immer wieder
gerne mit seiner Stimme. Er wiederholte immer wieder die letzte Textzeile: „lt's
now or never, my love won't wait". Dabei zog er seine Stimme jedes Mal tiefer in
den Bassbereich. Er machte das drei, vier Mal, bis er nicht mehr tiefer konnte.
Dann sang er ein Letztes „It's now or never.." und zog plötzlich das Mikro zur
Seite, riss die Augen erstaunt auf und ließ J.D. mit seinem alles über
trumpfenden Bass das fehlende „..my love won't wait" ergänzen. Elvis'
Gesichtsausdruck in diesem Augenblick, die großen Augen und das verschmitzte
Lächeln; all das war alleine schon den Eintrittspreis wert! Den Abschluss von
„It's Now Or Never" bildete ein stimmgewaltiges „ ..my love won't
waihaihaihaiiiiiiit", während dem Elvis mit seiner Stimme die Halle zum
Vibrieren brachte. Er war jetzt nicht mehr aufzuhalten. Grinsend und zufrieden genoss er den
Applaus der brodelnden Zuschauermasse. „Danke, vielen dank Ladies & Gentlemen.
Was wollt ihr hören Leute!?" Mit diesen Worten brach das Chaos aus. Tausend
Liedwünsche prasselten auf ihn hernieder. „Love Me Tender" wiederholte er den
Zuruf eines Fans und schon begann das Klavierintro zu diesem Titelsong seines
ersten Filmes. Vom bereits laufenden Intro unbeirrt, schrien die Fans an der
Bühne immer weitere Liedwünsche. Elvis beruhigte sie: „Wir kriegen alle Songs
durch. Wir schaffen das schon, alle zu singen. Just hang loose". und sofort
setzte er mit „Love Me Tender" ein. Die erste Hälfte sang er wirklich gut und
bei manchen Textzeilen hatte man das Gefühl, das er zum ersten Mal seit Langem
wieder mal ein wenig Gefühl in die Worte zu legen versuchte. Doch dann begann er
mehr und mehr damit seine Tücher
zu verteilen und schon entgleitete die einst wunderschöne
Ballade ins Standard-Niveau. Beim Flirten mit den Fans ließ
er plötzlich
Textzeilen weg, sang die Melodie lieblos. Mit seinem „Was
wollt ihr hören
"Spielchen, hatte er übrigens
geschickt das kräftezehrende
Lied vor der Bandvorstellung umgangen. Normal brachte er vor diesem trägen
Programmpunkt immer noch mal so einen richtigen Reißer
wie „My
Way", „How
Great Thou Art" oder gar „Poik
Salad Annie". Das hatte er geschickt wegfallen lassen.
„Danke, vielen Dank, ah ich ah... lassen
sie mich die Mitglieder der Gruppe vorstellen, die mit mir hier oben auf der Bühne
ist. Ah, zuerst die Mädchen.,
die sie bereits früher
in unserer Show heute Abend getroffen haben. Wir sind jetzt seit sieben Jahren
zusammen und ich denke sie sind schon fast acht? Wir sind schon seit fast acht
Jahren zusammen? Ain't it funny..! Ah, die 'Sweet Inspirations'. Die Gentlemen
im Hintergrund sie gehören
zu den Top-Gospelgruppen des Landes.. JJ.J. JäJäJä.J.D.
Sumner und das Stamps Quartet. Ah, ich möchte
ihnen gerne die Stamps einzeln vorstellen, weil sie sonst..wissen sie..sie
drehen sonst durch und flippen aus. Alle, außer
Ed Hill. Der Basssänger,
sein Name ist Larry Strickland. Der Bariton Sänger was
ist über
ihn zu sagen? Nun, ich denke nicht viel..nein.. ich mache natürlich
nur Spaß.
Sein Name ist Ed Hill. Der Lead-Sänger
sie möchten
sicherlich noch nicht mal hören,
was es über
ihn zu sagen gibt. Ah nein, er ist einer der besten ah..ah..ah..Sänger
auf dieser Seite des Mississippi..oder im Mississippi oder wo auch immer haha.
Ed Enoch. Halt' deinen Mund hahaha. Ihr Tenor-Sänger ah er
ist aus Elisabethtown ah Elisabethville. welches davon stimmt denn nun?
Elisabethtown? Noch nie davon gehört.
Ich mache das jetzt schon seit 19 Jahren, aber davon habe ich noch nie gehört.
Sein Name ist Bück
Buckles. Das kleine Mädchen
mit der hohen Stimme, sie stammt aus Los Angeles und ihr Name ist
Kathy
Westmoreland. An der Rhythm-Guitar ist John Wilkinson". Nach diesen Worten
begann John das Intro des Liedes „Early
Morning Rain" zu spielen. Durch dieses kurze Solo konnte er einige Augenblicke
lang sein Können
unter Beweis stellen. Aber schon bald stimmt Elvis mit ein und es gelang eine
nette Version dieses tollen Country-Songs, die der King mit einem souveränen „..so
I best be on my way, in the early morning rain..year", abschloss.
„Danke John" , murmelte Elvis in den für
diese kleine Einlage doch riesigen Applaus. „An der
Lead Gitarre, aus Shreveport/-Louisiana, ist James Burton. Elvis hatte diesen
Satz kaum ausgesprochen, da begann James auch schon mit einer furiosen „What I
Say" Version, die Elvis nur eher zaghaft während
einigen Zeilen stimmlich begleitete. „Year,
danke James. Gute Arbeit. An den Drums, aus Dallas/Texas, ist der
schwerst arbeitende Ronnie Tutt". Heute wollte Ronnie dieser Ansage uneingeschränkt
gerecht werden. Was er in den nächsten
Minuten darbot, war schier unglaublich. Dieser Mann war ein Spitzendrummer. Da
bestand gar kein Zweifel. Er haute immer berauschendere Wirbel auf sein Instrument
und schon während
des Solos klatschten die Anwesenden zwei oder drei Mal furiosen Beifall. Elvis'
belobigende Worte für
Ronnie, den er während
des ganzen Solos bewundernd beobachtet hatte, gingen im nicht enden wollenden
Applaus völlig
unter. Schließlich
setzte er die Bandvorsteliung fort: "Am Fender Bass, aus Los Angeles, ist Jerry
Scheff. Spiel' etwas. Kannst Du den Blues spielen"? Jerry warf Elvis ein paar
bestätigende
Worte zu und schon griff er fleißig
in die Saiten. Am Ende von Jerrys Solo meldete sich Elvis wieder zu Wort:
"Lassen sie mich ihnen etwas erklären,
wenn ich darf, Ladies & Gentlemen. Das Wetter kann auf die Saiten-Instrumente
Hinfluss
nehmen. Es ist hier sehr schwer die Instrumente zu stimmen, denn die Saiten
sprechen darauf sofort an Elvis' weiterer Vortrag versank in den sofort
hundertfach durch die Halle geschrienen Songwünschen
der Fans. Sie nutzten jede etwas ruhigere Sekunde der Show, um Elvis mit
Liedtiteln zu bombardieren. Er riss
noch einen kurzen Spruch und erkannte dann, dass
ihm vor lauter Wünschen
ohnehin niemand mehr zuhörte.
Also ging es mit der Bandvorstellung weiter: "Ah, am Piano, aus Tony, ist
Nashville Brown". Tony Brown störte
sich nicht an diesem Wortspiel und haute in die Tasten. Elvis summte dieses Solo
fast in voller Länge
mit er schien heute absolut davon angetan gewesen zu sein. Als Tony zu Ende
gespielt hatte, lachte Elvis, sichtlich amüsiert über
die hektische Melodie von Tony's Solo, sein Wortspiel am Anfang und einen
Insiderwitz, den er über
die „Crewcuts"
machte (Sein Spitzname für
die „Sweet
Inspirations"). Schließlich forderte er
Tony auf, das Ende des Solos noch mal zu spielen. Tony griff wieder in die
Tasten, doch schon bald unterbrach ihn E!vis: „Oh..no, no, no! Warum spielst du
nicht das..nun, wartet mal eine Minute. Spiel' eins von den mehr getrageneren Stücken.
Weißt
du"? Ja, Tony wusste.
Und sofort begann er ein anspruchsvolles, klassisches Stück
auf dem Klavier zu spielen. Elvis zeigte sich über
Tonys Vielseitigkeit fasziniert. Doch gerade an der dramatischsten Stelle seiner
klassischen Einlage klimperte er plötzlich
das Ende seines lockeren ersten Solos, was sich natürlich
sehr verzückt
anhörte. "An der Electric..ha ha..an der Electric
Klarinette ist Red Bobby Ogdin". Elvis lachte sich noch halb tot über
Tonys merkwürdigen
Melodien-Mix, als Bobby Ogdin bereits sein Solo begann. Das war nun schon die
dritte Tournee, während
der Bobby Ogdin das langjährige Bandmitglied David Briggs am Electric Piano und
an der elektrischen Klarinette ersetzte.
„Year, danke Bobby", kommentierte Elvis
sein Solo. „Und
der Kerl, der mir meine Tücher
und mein Wasser reicht..und der hier oben viel am rumlachen ist ah..ha..sein
Name ist Charlie Hodge. Unser Dirigent ist ein Büffel,
ah. er ist aus Buffalo/ New York. Es ist hahaha. Joe Guercio. Das Joe Guercio
Orcestra". Bei diesen Worten erhob sich das Orchester von den Stühlen
und begann den Chuck Berry Hit „School
Days" und Elvis sang dabei von Anfang bis Ende mit. Mal sang er eine Zeile in
einer sehr hohen Tonlage, um dann wenige Noten später
in eine tiefe Basstonlage
abzutauchen und dann wieder einen Teil mit höherer
Stimme zu bringen. Es war sehr interessant ihm dabei zuzuhören.
Und die starke Mitwirkung selbst während
diesen Soli spiegelte wider, dass
er an diesem Tag voll da war. Das relativ panische, von schrillen Trompeten
durchzogene Ende des Liedes würzte
er mit ein paar lang gezogenen „year,
year, year, yeeeaaaaarr"s. "Whow, vielen Dank. Eine unserer letzten
Platten heißt
'Hurt ‘". Das donnernde Schlagzeugintro hatte schon begonnen und die Band
hatte sich schon voll ins Zeug gelegt, da ergänzte
Elvis:„..und das werden wir jetzt bringen.year ’m sooo huuuurt." Das Mikrofon
in der linken Hand und den rechten Arm vor Anstrengung angewinkelt, stieß
er die Worte mit voller und tiefer Stimme ins Mikrofon. Für
das furiose Finale von „Hurt"
nahm Elvis das Mikro in die rechte Hand: „..I would never.ever hurt..", noch
einmal zog er den schweren Gürtel
zurecht, um sich auf die bevorstehenden Anstrengungen
vorzubereiten:"..huuuurrrrrt..y ouu". Während
den letzten Worten schrie er die Stimme mit aller Macht heraus. Er beugte sich
vor Anstrengung zur Seite und stieß
mit dem linken Arm durch die Luft. Nach ein paar „Thank
you" machte er plötzlich
und ohne Ankündigung
einen Ausfallschritt und Sekunden später
powerte er durch eine rasende Version von „Hound Dog". Wieder verteilte er
dabei eine Anzahl seiner Tücher an die völlig ausflippenden Fans an der Bühne.
Langsam baute das Orchester das große Finale auf, Elvis knurrte ein paar Mal
verwegen und schließlich begann er wild mit dem gesamten Oberkörper zu wackeln.
Nachdem er sich selbst kräftig durchgeschüttelt hatte, beendete er mit einem
kurzen ,,..you ain't no friend of mine" diesen legendären Song und ein
stimmgewaltiges, bluesiges „Ho, ho, ho, ho, ho, ho, ho, ho" leitete in den
phänomenalen Applaus über. „Vielen Dank meine Damen und Herren", seine
Worte kamen gegen die zig tausend Fans nur schwer an. „Ah, ich möchte ihnen
sagen, dass..wissen sie..wir hatten eine Menge Spaß hier. Und wir hoffen, wir
haben etwas gebracht, was sie mögen". Ein „We love you" Schrei gellte durch den
ganzen Saal und Elvis stockte gerührt in seiner Abschiedsrede. Leise fragte er
ins Publikum:
"Unchained
Melody? O.k.! Ich werde es versuchen". Er ging zum Klavier und nahm Platz: "Ich
kenne die Akkorde nicht, wissen sie..also..! Er murmelte noch so etwas wie:
„..ich muss sie erst am Telefon erfragen", und dann rief er ein lockeres: „Damn,
here we go". Es folgten letzte Anweisungen darüber, wie Charlie das Mikrofon für
Elvis' Stimme zu halten hatte und wenige Sekunden später durchflutete Elvis'
Klavierspiel die Halle. Ruhe kehrte in der Haue ein. Sobald Elvis die Tasten
berührte, schien die Halle die Luft anzuhalten. Dieses Lied war ein weiterer
Beweis seiner sehr guten Tagesform, denn was er heute aus diesem Song machte,
lag weit über den Versionen, die er sonst oft in dieser Zeit von „Unchained
Melody" brachte. Und bei der Stelle ,,..are you stiiiil miiine", gegen Ende des
Liedes, zog er die Stimme so hoch, dass es einem vor Stimmgewalt durch Mark und
Bein fuhr. Elvis hatte nach der Bandvorstellung noch mal richtig aufgedreht.
Elvis erhob sich vom Klavier und ging gemächlich zur Bühnenmitte zurück: "Sie
sind ein gutes Publikum. Danke. Vielen Dank. Take it on". Was dieser Satz bedeutete, war allen im
Saal klar. Das Klavier-Intro zu „Can't Help Falling In Love" erklang und die
Fans schrien verzweifelt auf. Elvis sang sich durch die Ballade und verteilte
noch mal so viele Tücher wie möglich. Mit einem dreckigen und lang gezogenen „yäähhäähhhäärr" beendete
er den Klassiker aus dem Film „Blue Hawaii", der nun schon so viele Jahre als
Abschlusssong von Elvis' Shows fungierte. Und während die Band fließend in das
Closing Vamp überging, legte Elvis behutsam das Mikrofon auf den Bühnenboden und
warf erleichtert und triumphierend zugleich die Arme in die Luft. Während das
„Closing" im Hintergrund spielte, drehte er noch einige Ehrenrunden auf der
Bühne. Die Fans feierten ihren 'King’, während der sich nach und nach
kurz in alle Richtungen verbeugte und vorne an der Bühne noch mal so viele Hände
wie möglich streifte. Egal wo Elvis hinblickte, sofort wurde er noch mal mit
einem Aufschrei der Menge aus dieser Ecke des Auditoriums gefeiert. Erst als er
elegant und für viele fast unmerklich in Richtung Ausgang zeigte, wussten die
Bodygards, dass es Zeit für den Abschied war. Noch einmal checkten sie, ob alies
klar für die „Flucht" war und schon streifte Elvis hastig an ihnen vorbei, aus
dem Blickfeld der Fans. Eine fantastische Show hatte ihr Ende gefunden.
Das Closing Vamp spielte noch ein paar Momente weiter. Und während die Besucher
der Show sich noch von dem Erlebten erholten, prasselten schon die gewohnten
Ansagen auf sie herab: „Ladies & Gentlemen.
Elvis hat das Gebäude
verlassen. Danke und gute Nacht.