Samstag, der 04. Dezember 1976
Elvis trug während dieser
Show den „Inca Gold Leaf“ -Suit, einen Anzug, den er erstmals am
17.03.1974 während seines Auftritts in Memphis anhatte. Obwohl es die Dinner
Show des Tages war, schien Elvis doch schon recht gut gelaunt. Er erwähnte
zwar, dass er noch schlief als die meisten Fans schon auf dem Weg zur Show
waren, aber trotzdem hatte er bereits während C.C.Rider und I Got A
Women-Amen eine Menge Spaß mit dem Publikum. Gleich nach dem Eröffnungsblock
erregte ein Mädchen an der linken Seite der Bühne seine Aufmerksamkeit. Sie
hatte einen Rosenstrauß für Elvis gekauft und rief ihm nun ein paar Sachen zu,
um seine Beachtung zu erlangen. Als Elvis sie hörte, sah er zu ihr hinüber und
ließ das Spotlight auf sie richten: „Honey, was willst Du?... Ha, ha sag' so was
nicht. Wir haben hier Kinder im Publikum. Unter anderen übrigens auch mein
eigenes!" Nach dem zweideutigen Angebot, das sie Elvis offenbar gemacht hatte,
hielt sie ihm den Rosenstrauß entgegen. Elvis wollte ihn zuerst entgegennehmen,
aber im Hinblick auf das Angebot der Frau zuckte er zurück und fragte
sicherheitshalber erst noch mal nach: „Das ist lieb von dir, aber was willst du
als Gegenleistung? Was? Nur einen Schal? Oh, das ist in Ordnung. Und einen Kuss
dazu? War es das? Dann kann es ja losgehen. „Elvis gab dem Mädchen den Schal und
den Kuss“. Und in das lang gezogene „Aaahhh“ des Publikums hinein rief ein Mann
von der anderen Bühnenseite Elvis zu: “Für einen deiner Ringe würde ich dich
auch küssen“. Als Elvis das hörte' lachte er lauthals ins Mikrofon. Er
wiederholte
den Zwischenruf des Mannes, damit es jeder hören konnte und schon brach der
ganze Saal in Gelächter aus. „Genießen sie die Show. Wir werden eine Menge Songs
bringen... alte, neue. Wir sind hier, um sie zu unterhalten. Also,
genießen Sie es“. Es folgte Love Ne, während dem Elvis von einem
Zuschauer eine weise Schirm-Mütze geschenkt bekam. Die übliche Ansage „Das
nächste Lied wurde von Olivia Newton-John aufgenommen und heißt If You Love
Ne Let Me Know....
and if not
.then get out of the picture”, leitete zum nächsten Lied über.
Elvis rief dann ein paar Mal
sein berühmtes „Thank you very much. You're fantastic“ durch den Saal und schon
ging es weiter mit You Gave Me A Motintain. „Ich möchte jetzt gerne ein
paar Jahre zurückgehen. Mein dritter Film hieß damals Jailhouse Rock. Und
das ist schon eine ganze Zeit lang her.. .einige Jahre. Wie auch immer.. .die
Worte zu diesem Lied sind so schnell, dass ich mich anhöre wie Donald Duck.
Trotzdem denke ich, wir sollten Jailhouse ...In diesem Moment setzte die Band
schon ein. Elvis selbst dokumentierte mit dieser Ansage die Veränderung seiner
Stimme im Laufe der Jahre. Keine Spur mehr von Donald Duck. Seine Stimmlage war
inzwischen ungleich tiefer und voller geworden.
„Im
Jahre 1960 machten wir ein Lied, welches auf ,0 Sole Mio.' basiert. Es heist
lt's Now Or Never. Das singe ich jetzt für euch“. Wieder stand er fast
während dem gesamten Lied regungslos auf einer Stelle. Nur die manchmal
wechselnde Farbe des Scheinwerfers unterstrich teilweise seinen einzigartigen
Gesang. „Da gibt es einen Song, den ich vor einer langen Zeit gemacht habe.
Ich
möchte gerne ,Trying..', er heist Trying To Get To You!'
In Hinsicht auf die
bevorstehende stimmliche Anstrengung pustete Elvis dann zweifelnd ins Mikrofon
und ergänzte: „Ich sag' euch was. Ich habe heute zu spät gegessen. Mir steht
alles noch hier oben“. Kein anderer Weltstar konnte sich solche Äußerungen vor
einem Vegas-Publikum erlauben. Elvis konnte es. Ein Fan schrie durch den Saal:
„Elvis, wann kommst du runter zu uns nach Jacksonwille“?, Aber Elvis reagierte
nicht. Er begann mit “Trying To Get To You”. Erst am Ende des Liedes kam er auf
die Frage des Fans zurück: „Nun, um noch mal darauf zurückzukommen. Als wir das
letzte Mal in Jacksonwille waren, da hatten wir ein ganz fantastisches
Publikum“. Auf die Frage, wann er nach Jacksonwille zurückkehren würde,
antwortete er eher pauschal: „Nächstes Jahr Honey. Nächstes Jahr“. Blue Suede
Shoes war als nächstes dran. Rein akustisch hörte sich das ganz schön an,
aber optisch gab es recht wenig interessantes. Elvis stand auch hier wieder fast
nur an einer Stelle. Lediglich einmal begab er sich vor zum Bühnenrand, um einen
Schal gegen die Blume eines Mädchens auszutauschen. An der Stelle, an der das
Lied eigentlich enden sollte, warf er dann schnell ein „One more time“ ein und
hängte noch ein paar „Blue, blue, blue suede shoes“ dran, um so eine extra lange
Version zu bekommen.
Mit
dem Satz „wollt ihr Fever hören?,“ Verkaufte Elvis auch heute wieder ein
ganz normales Lied als Fanwunsch. Während des Bassgitarren Intros warf ein
Mädchen einen Slip auf die Bühne. Elvis zog sich diesen über den Kopf und schon
brach im Showroom wieder Gelächter aus. Mit seinen wilden Beinbewegungen brachte
er auch heute wieder einiges an Unruhe während diesem Titel zustande. Auch nach
„Fever“ rissen die Fanwünsche nicht ab. „Heartbreak Hotel“ war zuerst in der
engeren Wahl, aber dann änderte Elvis seine Meinung und sagte: „O.k., ich sag'
euch was. Zuerst einmal glaube ich, dass ihr alle mittlerweile von den 200 Jahr
Feierlichkeiten und all diesen Dingen gehört habt. Aber trotzdem würde ich gerne
unsere Version von America The Beautyfoul für sie bringen (Applaus des
Publikums) Oh, ich habe nicht gesagt, dass ich es singe. Hey, seht mal da. Da
ist ja plötzlich ein Kind aus dem Nichts aufgetaucht.“ Ein kleines Mädchen hatte
die Bühne erklommen und kam mit unsicheren Schritten langsam auf Elvis zu.
Vertauensvoll klammerte es sich an Elvis' Bein, so als ob sie ihn schon seit
Jahren kennen würde. Das Publikum war natürlich ergriffen von der Szene. Das
kleine Mädchen bekam einen Schal für die Mama und dann kam endlich „America“.
„America“ von Elvis gesungen
zu hören, ruft wohl selbst heute auf Platte noch eine ganz merkwürdige Stimmung
bei vielen Fans hervor. Wohl dem der das Glück hatte, das einmal live erlebt zu
haben. Und da wir gerade bei, stimmungsvollen Liedern' sind, hatte Elvis gleich
noch Bridge Over Troubled Water hinterher geschoben. Auch heute sang er
die erste Hälfte in einer für ihn ganz merkwürdig hohen Stimmlage. Seine Stimme
war so hoch, dass er nur noch ein Flüstern herausbekam. Trotzdem wirkt das Ganze
sehr gekonnt und irgendwie steigerte dieser Vortrag noch die fesselnde Stimmung
im Showroom. Und dann war er auch schon da, der Höhepunkt des Abends. Keiner
weiß, wie Elvis ausgerechnet an diesem Abend auf What Now Ny Love kam.
Wie aus heiterem Himmel sang er plötzlich „What now my Love...“. Erst an dieser
Stelle setzte ein Teil der Band zur Begleitung ein. Die ersten Zeilen sang Elvis
eher normal, wenn auch etwas schleppend.
Doch dann, bei
der Textzeile “...watching my dream. . .turning to ashes..”
Wechselte er plötzlich dazu
über, den Text in fantastischer Weise zu sprechen. Mit einer beschwörend tiefen
Stimme, die mir noch heute Gänsehaut bereitet wann
immer ich diese Aufnahme höre, sprach er den Text so überzeugend, dass man
denken konnte, er würde tatsächlich gerade mit diesem Lied einer Frau etwas
mitteilen wollen. (Hier steigerte er sich teilweise so in den Text, dass er hin
und wieder richtig schrie). Abgerundet wurde das Lied dann, indem Elvis den
letzten Refrain wieder mit volumiriöser Stimme sang. Nach so vielen gefühlvollen
Liedern gab es dann erst mal die Vorstellung der Bandmitglieder. Heute stellte
Elvis Ed Enoch als Nichte von J.D. Sumner vor! Und auch der nervige
Gitarren-Solist bei „School Days“ war wieder gefordert. Er hatte sein Solo,
sicher auf Wunsch von Elvis, noch etwas verlängert. Grauenhaft. Elvis sang auch
heute wieder Early Morning Ram, What' dI Say, Love Letters und School
Days während der Bandvorstellung. Aber am Ende des Ganzen gab's dann auch
noch hochkarätige Gäste zu begrüßen: „Da sind ein paar Leute im Saal und alle
hier auf der Bühne messen mich mit ihnen. (Ein Fan ruft hier zwischen, dass
Elvis diesen Vergleich nicht zu scheuen brauche, was Elvis ganz verlegen
machte). Erinnern sie sich an den Song ,Please Release Me And Let Me Go'?
Niemand hat dieses Lied bisher so gesungen... .wie Engelbert Humperding“. Unter
dem brausenden Beifall des Publikums wurde Engelbert kurz vom Spotlight
angestrahlt. Gerade hier in Vegas war er ja einer der Top Acts. „Die nächste,
Person ist wohl einer der besten Sänger aller Zeiten...Roy Orbison“. Elvis
imitierte in den Beifall hinein Orbisons hohe Stimmlage. Aber das dauerte nur 2
Sekunden und dieses kurze Fragment von Orbison's lt's Over ist in keinem
Fall als „Elvis Lied“ einzustufen. „Nun möchte ich, dass sie einige Mitglieder
meiner Familie kennenlernen“, fuhr Elvis fort, „Mein Vater ist im Publikum.
.Dad. .year. . .und meine Tochter Lisa“. Elvis lachte als sein kleines Mädchen
vom Spotlight angestrahlt wurde. „Das ist genug Beifall für sie“ meinte er. „Honey,
unsere letzte Platte, soviel ich weiß, heißt Hurt“. Die Anwesenheit seiner
weltberühmten Kollegen und seiner Familie ließ ihn während „Hurt“ ungeahnte
stimmliche Qualitäten aufbieten. Elvis nahm gerade die schwierigen letzten Töne
des Liedes so klar, dass Engelbert sicher vor Scham im Sessel versunken St.
Elvis schien richtig überschwänglich geworden zu sein. Man hörte es , dass ihm
die Show Spaß machte. Und in den Applaus für das hervorragende „Hurt“ hinein
begann er mit Hound Dog. Eine Durchschnitts-Version, die durch Elvis'
Euphorie noch recht dynamisch erschien.
„Vielen Dank meine Damen und
Herren. Wir werden heute etwas überziehen, denn ich denke, dass unsere Show
nicht komplett ist, wenn ich nicht noch einen Gospel singen würde, den wir 1967
gemacht haben. Hören sie nun das „Stamps Quartet“ mit How Great Thou Art".
Dass Elvis dieses Lied den „Stamps“ zubilligte, war ein absoluter Hohn. Nur
er war hier einzig und allein derjenige, der dieses Lied zum Erlebnis macht. Die
Art wie er heute die einzelnen Textzeilen brachte, war unbeschreiblich. Zwei
oder drei Mal konnte sich das Publikum schon während des Liedes nicht mehr
zurückhalten. Hier musste man einfach zwischendurch seiner Begeisterung Luft
machen. Erneut strahlte Elvis über das ganze Gesicht und man merkte es ihm
leicht an, dass er gar nicht von der Bühne gehen wollte. Aber die Vorbereitungen
für die nächste Show mussten beginnen. Also verabschiedete er sich mit einem
„Danke Ladie & Gentleman. Ihr wart fantastisch. Vielen Dank. .danke. ihr seid
ein gutes Publikum“.