Elvis Live in Charleston, West Virginia 24. Juli 1976

 

Veröffentlicht auf der CD: Thunderbolt In Charleston

 

 

 

Tonausfall im Civic Cente

Elvis Live in Charleston, West Virginia 24. Juli 1976

 

 

Während das Licht im Civic Center ausging, erlebte die Halle den ersten Aufschrei der rund 8.500 Fans. Erst leise und fast unhörbar baute sich dann das "2001" Thema immer monumentaler auf und kündigte die Nähe des großen Augenblickes an. Ein Trommelwirbel leitete vom "2001" zum Intro von "See See Rider" über. Elvis ließ sie noch einen Moment lang zappeln, doch dann stand er plötzlich vor ihnen. Elvis war zurück in Charleston! Die Spannung entlud sich in einem Schrei, der ohrenbetäubender nicht hätte sein können.

Begleitet vom Geschrei der Menschenmenge, schritt er die Bühne ab, hinüber zu Charlie Hodge. Heute hatte sich Elvis für den blauen Bi-Centennial mit weißem Hemd entschieden. Von Charlie aus hatte er schnell die Bühnenmitte erreicht, wo sein Mikrofon schon auf ihn wartete. Elvis passte den Einstieg in "See See Rider" ab, dessen Intro die Band immer noch spielte und sofort bei seinem ersten Ton durchzog erneut der Aufschrei der Fans den Saal. Obwohl er eine riesige Sound Anlage zur Verfügung hatte, ertränkte dieser Aufschrei die gesamte erste Textzeile in Begeisterung. Elvis heizte dem Publikum mit "See See Rider" gleich zu Anfang gut ein. Mittendrin forderte er James Burton mit einem "Take it on" zu einem starken Gitarren-Solo auf, was dem Ganzen gleich den richtigen Rock 'n’ Roll Schliff verlieh. Das Lied war schließlich zu Ende. doch die Fans schrieen sich noch immer die Kehlen aus den Hälsen.

"Danke. Vielen Dank. Ganz schön wild seid ihr hier! Well..well, well, well, well, well, well, well". Es folgten noch ein paar mehr 'Wells' während denen sich Elvis ab und zu mit J.D. Sumner, dem tiefsten Basssänger der Welt, ablöste, um dem Zuschauern dieses Naturphänomen' vorzuführen. Ihm schienen diese Stimm-Spielereien mit J.D. immer sehr viel Spaß zu machen, den inzwischen hatte er gleich mehrere davon in die Show eingebaut. Nach einigen 'Well's meinte er dann mit stählerner Mine: "So, das war es dann für heute" und tat so, als ob er die Bühne schon wieder verlassen wollte. Doch das tat er noch lange nicht, denn mit einem Ruck drehte er sich zum Mikrofon zurück und begann mit "I Got A Woman". Elvis zog das Lied gut durch und plötzlich, gegen Ende, änderte er auf einmal schlagartig den Rhythmus und ging in das traditional "Amen" über. Hier steigerte er sich mehr und mehr hinein. Was ganz zahm begann, wurde schließlich immer lauter und stimmgewaltiger. Elvis sang immer eine Textzeile höher als die vorhergehende und forderte dabei immer wieder das Publikum zum Mitsingen auf. So ging es das ganze Lied hindurch. Doch plötzlich, mitten in einem "Amen", erstarb Elvis' Stimme. Erst stand er einem Moment lang still, aber dann begann er, begleitet von Ronnie Tutts Schlagzeugwirbeln und vom Geschrei der Fans, kreisende Bewegungen mit den Beinen und der Hüfte zu machen. Er zuckte und vibrierte noch drei oder vier Sekunden, um dann mit einem lang gezogenen "meeennn" das vorhin unterbrochene "Amen" zu vervoll­ständigen. Diese letzte lang gezogene Silbe des Wortes sang er mit langsam tiefer werdender Stimme. Und als er nicht mehr tiefer kam, meinte er: "Du schaffst das J.D.".

J.D. Sumner übernahm die Silbe und zog die Stimme so weit runter, dass die Lautsprecher nur noch ein undefinierbares Kratzen von sich gaben. Elvis sah ihn übertrieben bewundernd an und schloss schließlich mit einer letzten Zeile von "I Got A Woman" das Medley ab. Während den letzten Schlagzeugwirbeln riss er sich die Gitarre von der Schulter, stieß sie wild durch die Luft und schleuderte sie letztendlich über seinen Kopf hinweg hinter sich über die halbe Bühne. Irgendwo im Dunkel stand Charlie Hodge, der sie sicher auffing. Elvis zog den Eröffnungsblock sehr zügig durch.

"Vielen Dank..Ladies & Gentlemen. Ich wünsche einen guten Nachmittag. Mann, die Scheinwerfer treffen mich genau in die Augen Jungs". Das war also der Grund dafür, dass Elvis so unsicher wirkte und während des Singens oftmals die Augen geschlossen hatte .

Diese Blitzlichter.. ah, wenn ich hier auf der Bühne hinfalle, dann ist das, weil ich überhaupt nichts sehen kann. All die Lichter sind einfach...! Vielleicht sollte ich die Dinger einfach ausschießen". Er grinste, formte mit den Fingern eine Pistole, zielte auf einen der Scheinwerfer und machte "bchchch", als ob er das Licht tatsächlich ausschießen wollte. Er begann mit "Love Me". Während dem ersten Wort "Treat" sah er sich zur Band um und erst in diesem Augenblick fiel ihm, aufgrund der verängstigten Gesichter, auf, wie cool sein Spruch doch war, und begann zu lachen. Dann kam der zweite Versuch von "Love Me". Elvis warf hier zum ersten Mal die begehrten Schals aus Kunstseide ins Publikum, die Charlie Hodge ihm ständig um den Hals legte. Gerangel brach vor der Bühne aus. Als die Kämpfe um die begehrten Stofftücher immer wilder wurden, schrie Elvis zu einer Frau, sie solle vorsichtig sein.

Während im Civic Center Hurricane Elvis tobte, zogen draußen schwere Gewitterwolken über Charleston auf. Die Luft war so schwül, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis sich ein heftiges Gewitter entladen würde.

Mit einem "Take it on" gab Elvis das Startzeichen zu "If You Love Me Let Me Know". Hier fiel auf, mit welch klarer Stimme er heute sang. Er verschluckte keine Silbe und betonte die Zeilen, dass es richtig Spaß machte, dieses Lied zu hören.

Nach dem Country Song "If You Love Me Let Me Know" machte Elvis mit "You Gave Me A Mountain" weiter. "Lasst mich ein Medley aus einigen meiner Aufnahmen bringen. Ich hoffe, dass etwas dabei ist, das ihnen gefällt. Ja, ich liebe dich auch Honey. Ich kann dich zwar nicht sehen, aber ich liebe dich trotzdem". Das Oldie-Medley bestand heute aus "All Shook Up", "Teddy Bear" und "Don't Be Cruel". Während diesen Songs hatte Elvis auch an den Bühnenseiten und der Rückseite Schals verteilt. Charlie hastete hinter ihm her, um ihn mit einer Unmenge der Tücher zu versorgen. Das war die Gelegenheit für die Leute auf den 'billigen Plätzen', auch ein Souvenir von Elvis zu bekommen. Schon bald war das Medley zu Ende und Elvis kehrte an die Bühnenvorderseite zurück. "Ich höre jetzt besser auf damit, bevor ihr noch ganz verrückt werdet", kommentierte er das entstandene Chaos.

Mit "And I Love You So" wurde es wieder etwas ruhiger im Civic Center. Elvis blieb vom Bühnenrand weg und gab den Frauen auch sonst keinen Anlass zum Ausflippen. Nur eine konnte trotzdem nicht an sich halten und schrie immer wieder Elvis' Namen, bis dieser während der Ballade fragte: "Was denn, Honey"? Erst dann war sie zufrieden gewesen. Obwohl das Publikum bunt gemischt war, konnte man doch von einer zwei Drittel Mehrheit weiblicher Fans ausgehen.

Mit "Jailhouse Rock" ging es weiter im Programm. Die Frage war inzwischen nicht mehr ob Elvis irgendwo Textprobleme während diesem Song bekommen würde, sonder wo! Heute war es am Anfang der zweiten Strophe. Er ver­hedderte sich völlig, fing sich aber wieder ganz gut. Und als er mit aggressivem Blick und gespielter Überforderung den Rock-Klassiker beendete, stand die Halle wieder Kopf. "Danke Ladies und Gentlemen. Sie sind ein fantastisches Publikum. Ah, lasst uns 'Fever' bringen", meinte er lässig. Das Licht erlosch und der dumpfe Bass von Jerry Scheff hüllte das Civic Center in eine knisternde Atmosphäre. Elvis sang eher leise und nur das Wort 'Fever’ schrie er immer laut durch die Halle. Und jedes Mal reagierten die Zuschauer mit einem wilden Schrei, wenn er das tat. Manche 'Fever'-Rufe unterstrich er noch, indem er bewusst übertrieben mit der Hüfte und den Beinen wackelte. Das trieb die Fans fast zum Wahnsinn. Elvis hatte die Zügel dieser Show fest in der Hand.

1976 war der 200. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten. Und zu diesem Anlass hatte Elvis "America The Beautiful" in diesem Sommer in fast jede Show aufgenommen. Als er das Lied ankündigte, sprangen die Zuschauer fast aus den Stühlen. Und Elvis enttäuschte das patriotische, amerikanische Publikum nicht. Er bot eine Wahnsinnsversion dar, die stimmlich nichts zu wünschen übrig ließ. Ein tolles Lied, das sicher zu den Höhepunkten der Show zu zählen war. Er hatte "America" kaum beendet, da reichte ihm ein Mädchen einen riesigen Stoffhasen auf die Bühne. Sie ließ diesen jedoch nicht mehr los, nachdem Elvis ihn berührt hatte. Innerhalb von Sekunden hatte das Mädchen wohl erkannt, dass das Geschenk, das sie für Elvis mitgebracht hatte, durch seine Berührung zu einem Relikt geworden war.

"Thank you Ladies and Gentlemen. I'd like to introduce the members of my group to you before we go any further..farther. Wie heißt das? Further oder farther"?

Elvis nahm dieses Wortspiel vor Beginn der Band vor Stellung zum Anlass, zwei Zeilen des Gospels "Farther Along" zu singen. Leider blieb es bei den beiden gemurmelten Textzeilen.

"Mann ist das heiß Hier oben. Wir sind jetzt seit sechseinhalb Jahren zusammen und ich denke, sie sind fantastisch. Die 'Sweet Inspirations'. Die 'Sweet Fantastic Inspirations' würde auch gut zu euch passen. Die Gentlemen dahinter, gehören zu einer der besten Gospel-Gruppen in ganz West Virginia. .J.D. Sumner und das Stamps Quartett. Ich möchte ihnen die Stamps gerne einzeln vor­stellen meine Damen und Herren. Ihr Basssänger kommt aus Roanoke, Carolina. Sein Name ist Larry Strickland. Ihr Tenor-Sänger ist einer, den sie..wie nennen sie dich? Was? Captain Kangoroo? Wie kommst du denn an diesen Namen? Nein, er ist aus Nashville, sein Name ist Ed Hill. Ihr Leadsänger, der blonde Junge hier drüben..er ist aus Nashville, Tennessee..er ist J.D.s Nichte..sein Name ist Ed Enoch. Sie haben einen neuen Tenor-Sänger dabei. Er kommt aus Kalifornien und sein Name ist Pat Brown. Der Junge hier drüben am Ende der Reihe..der ohne Ärmel an seinem Hemd..er ist sowohl bei meinen Liveauftritten, als auch auf mei­nen Schallplatten zu finden..sein Name ist Sherill Nielsen. Das Mädchen mit der wunderschönen, hohen Stimme..". Elvis war bei diesen Worten zu nah an den seitlichen Bühnenrand gekommen und sofort wurden einige Frauen dort völlig hysterisch, "..sie ist aus Los Angeles. Ihr Name ist Kathy Westmoreland". Elvis ging jetzt hinüber zur Rhythmus-Gruppe, die im Laufe der Jahre von den Fans 'TCB Band genannt wurde und die etwas mehr in der Mitte der Bühne untergebracht waren: „An der Rhythm-Guitar aus Springfield, Missouri, ist John Wilkinson. Spiel etwas"! Immer wenn Elvis zu John "Spiel etwas" sagte, dann meinte er damit fast immer das Lied "Early Morning Rain". John begann mit dem Lied-, und während er das Intro dazu spielte, rief Elvis: „Wacht endlich auf ihr Jungs von der Band"! Dann sang er eine Strophe des Songs. "Bear, an der Lead-Gitarre Ladies & Gentlemen aus Richmond, Virginia, ist James ah Burton". Dieser begann sogleich eine wilde Version von "What'd I Say" in die Saiten zu hauen. Elvis begleitete diese im Hintergrund stimmlich. James war das Zugpferd der Band. Und so gab es von ihm noch ein zweites Solo: "Year danke James. Ah, James kann die Gitarre sogar auf der Rückseite seines Kopfes spielen Ladies & Gentlemen. Nein, ich mache keinen Spaß! Was will ich? Nun, besser nicht".

James wartete diese letzte Erwiderung von Elvis auf den Zuruf eines Fans noch ab und spielte dann hinter seinem Kopf, also seitenverkehrt, eine akustisch einwandfreie Version von "Johnny B. Goode". Elvis sang dabei anfangs zwar wieder mit, überließ jedoch nach nur wenigen Zeilen James das Feld. "Year danke James. Am Schlagzeug, unten aus Dallas, ist Schwerstarbeiter Ronnie Tutt". Ronnie lieferte nach diesem Satz ein Wahnsinns-Solo, das gar nicht enden wollte. Wie ein Wilder haute er einen Wirbel nach dem anderen auf die Trommeln. Völlig unbeeindruckt veralberte Elvis den armen Ronnie und verglich sein Mega-Solo mit einer schläfrigen Country-Ballade: „Wie nennt sich dieser Titel mein Sohn? Es hörte sich an wie 'Good Night Irene'. Am Fender-Bass, aus Los Angeles, ist Jerry Scheff“. Jerry spielte als Solo das Instrumental, das auf der CD "Old Times They Are not Forgotten" von Elvis als "Swamp Thing" bezeichnet wird. "Und am Piano, ist Tony Brown (es folgte ein Solo von Tony). Danke mein Freund. Und aus Nashville, am Electric Clarinette ist David Briggs".

Auch David brachte natürlich sein Solo, dessen Ende er ungewöhnlich in die Länge zog. Elvis kommentierte das Scherzhaft mit: „Kriegst du es irgendwie noch zu Ende, oder sollen wir die ganze Nacht auf dich warten"? Doch solange das Solo von David auch war, Elvis wollte von ihm noch ein zweites Stück hören: „Das erste Mal, dass David und ich zusammenarbeiteten es war seine erste Aufnahme-Session..war, als wir einen Song namens 'Love Letters' aufnahmen. Und den möchte ich jetzt gerne mit ihnen teilen". Es folgte eine recht gute Version der Ballade.

"Der Kerl, der mir mein Wasser reicht und meine Schals und auch meine Harmony-Stimme übernimmt kommt aus Dekatur, Alabama. Sein Name ist Charlie Hodge. Unser Dirigent, er ist aus Las Vegas meine Damen und Herren sein Name ist Joe Guercio und das fantastische Joe Guercio Orchester". Elvis hatte das kaum ausgesprochen, da erhoben sich die Musiker des Orchesters und spielten den Chuck Berry Titel "School Days", den Elvis teilweise stimmlich begleitete.

Die Vorstellung der Bandmitglieder war beendet und der Schlussteil der Show konnte beginnen. Doch bevor dieser begann, hatte draußen schon ein gewaltiges Gewitter angefangen. Der Himmel hatte seine Schleusen geöff­net und ein heftiger Regenguss ging über Charleston nieder. Es donnerte und grelle Blitze schössen vom Himmel. In der Halle störte das bis jetzt jedoch noch niemanden. Hier sagte Elvis nämlich gerade den nächsten Höhepunkt der Show an: „Wir haben eine neue Platte draußen, Ladies & Gentlemen und die möchte ich jetzt für sie singen".

Ein Schlagzeugwirbel erschallte, begleitet von einem grollenden Paukenschlag. Hörner kamen hinzu. Und als die Spannung kaum mehr auszuhalten war, setzte Elvis mit fantastischer Stimme ein: „Hill'm sooooo huuuurrt" er schrie die Zellen aus sich heraus und das Publikum reagierte stärker als je zuvor in dieser Show. Elvis sang so klar und so laut, dass selbst das wilde Gekreische tausender Fans den Vortrag dieses Highlights nicht beeinflussen konnte. Selbst den stimmgewaltigen Schluss bot er atemberaubend dar. Doch man wusste, dass er noch mehr aus sich herausholen konnte. Und da der Beifall und die begeisterten Schreie nach der ersten Version gar nicht enden wollten, brachte er noch eine Zugabe, die die erste Version weit in den Schatten stellte. Er begann noch mal mit: „..and even thought you hurt me, like nobody eise will ever do..“Und zog die Stimme am Ende so gigantisch hoch, dass man dachte er wolle abheben. Am Ende so gigantisch hoch, dass man dachte, er wolle abheben. Es schien, als ob er das Publikum nie wieder zur Beruhigung bringen könnte.

"Nun, nachdem sie uns gesehen haben, möchte ich gerne, dass die Saallichter angeschaltet werden, damit ich auch einmal einen Blick auf sie werfen kann".

Als die normale Hallenbeleuchtung anging und die Scheinwerfer ihre Wirkung verloren hatten, sah Elvis zum ersten Mal die Halle. Er schien erstaunt darüber, wie viele Men­schen sich in dem relativ kleinen Civic Center versammelt hatten. Er sprach jetzt kurz einige Fans an, die er aus anderen Konzerten wieder erkannte, und begrüßte nun auch die Fans an der hinteren Bühnenseite, die er vorher wegen der schlechten Licht Verhältnisse gar nicht erkennen konnte. Bezogen auf den Titel des nächsten Liedes "Funny How Time Slips Away" (lustig, wie schnell doch die Zeit vergeht). Der relativ locker zu singende Country Song gab ihm Gelegenheit genug, um zig weitere Tücher zu verteilen und die Hände der Fans am Bühnenrand zu schütteln. Als er bei der Zeile "Never know when I'll be back in town" angekommen war, rief er erfreut: „Tonight"!

Am Ende von "Funny How Time Slips Away" gab es heute übrigens nicht die normal übliche Spielerei mit J.D.s Bassstimme. Elvis hatte noch eine Show heute Abend vor sich und da hieß es Zeit und Kraft sparen. Sogar das im letzten Teil der Show fast schon selbstverständliche "Hound Dog" hatte er kurzerhand gestrichen. Mittlerweile stand das Gewitter direkt über der Halle. Doch noch immer übertönten das Tonsystem, die Euphorie der Fans und ihr Geschrei das Naturschauspiel draußen. Mit den letzten Tönen von "Funny How Time Slips Away" war das Ende der Show gekommen: „Danke Ladies & Gentlemen. Mal Spaß beiseite, sie waren ein fantastisches Publikum. Und jederzeit, wenn sie uns hier nach Charleston zurückhaben wollen, lassen sie es uns nur wissen, o.k."? Ein unglaubliches Geschrei erfüllte das Civic Center.  Elvis fügte ein paar letzte Worte an: „Wir haben noch eine weitere Show hier heute Abend. Vielleicht sehen wir uns ja noch einmal. Möge euch Gott beschützen. Adios"!

Das Klavier-Intro zu "Can ‘t Help Falling In Love" erklang und Elvis sang die ersten Zeilen des weltberühmten Filmhits. Noch einmal verteilte er seine Tücher. Chaotische Zustände brachen vor der Bühne aus. Es waren die letzten Momente, in denen der King auf der Bühne stand. Manchmal musste er mit einem Ermahnenden: „Seid vorsichtig" in die Tumulte eingreifen.

Und mitten in diesen wichtigen Momenten der Show geschah das, was selbst Elvis während all seinen 70er Jahre Auftritten noch nicht passiert war. Es tat einen kurzen Krach in den Lautsprechern und vom einen auf den an­deren Augenblick war Stille eingekehrt. Ein Blitz hatte eine der Hauptsicherungen getroffen. Sofort war das gesamte Tonsystem und ein Teil der Hallenbeleuchtung lahmgelegt. Das Publikum behielt die Fassung. Einige der hysterischen Girls vorne an der Bühne hatten noch nicht mal mitbekom­men, dass Elvis gar nicht mehr sang. Elvis schaute fragend zum Tontechniker. Doch was sollte der jetzt so auf die Schnelle schon machen?

Elvis schüttelte noch einige Momente die ihm Entgegengestreckten Hände der Fans und ließ sich schließlich von der ganzen Sache gar nicht stören. Erst als der Hallensprecher AI Dvorin nach einiger Zeit ans Mikrofon trat und ein überschwängliches "Vielen dank Ladies & Gentlemen. Seien sie bitte vorsichtig auf dem Heimweg" verlautbaren ließ, schien die Show vorbei zu sein. Doch just in diesem Moment kam der Strom wieder!

Verwirrung entstand auf der Bühne. Einige Musiker hatten die Sache schon als abgeschlossen behandelt. Es war Elvis, der zuerst wieder den Durchblick hatte. Und für ihn war es keine Frage; er würde die Show korrekt zu Ende führen.

Mit der Textzeile: „Take my hand, take my whole live too. ." setzte er genau dort wieder ein, wo ihn der Stromausfall abgeschnitten hatte. Zuerst sang er aufgrund der Verwirrung der Band ein Stück acapella. Doch schon bald setzten die Musiker wieder voll ein. Tausend Mal hatten sie dieses Lied schon mit Elvis gebracht. Der Widereinstieg fiel also nicht schwer. Während den letzten Zeilen des Liedes versuchte Elvis ein letztes Mal alles ihm möglich, um die verlangenden Hände zu berühren oder gar mit einem Geschenk zu bedenken.

Das "Closing Thema" erklang schließlich und zufrieden legte Elvis das Mikrofon auf den Bühnenboden. Er warf die Hände in die Luft; seine typische "Leute, das war es"-Geste. Er ging noch ein paar Mal am vorderen Bühnenrand auf und ab, bedankte sich gestisch bei einem tollen Publikum und schließlich war er genauso schnell wieder verschwunden, wie er am Anfang der Show erschienen war. Die Fans feierten ihn noch, als er schon längst wieder in seiner schwarzen Limousine zum Daniel Boone Hotel zurück unterwegs war. Erst als der Saalsprecher das berühmte "Elvis has left the building" verkündete und die Saallichter angingen, kehrte etwas mehr Ruhe ein. Fast eine Stunde hatte Elvis' Auftritt gedauert.

 

 


 

 Ideale IE. Auflösung 1024 x 768                                                                                                                     (c) 1995 - 2011 Elvis Info's Online-Magazin